A m e r i c a A l e r t
Informationsservice des Washingtoner Büros der FES
Ausgabe 1/2005 8. Februar 2005
Nach der Rede zur Lage der
Nation der Budget-Entwurf der
Bush-Administration für das Haushaltsjahr 2005/06
Nach der Rede des Präsidenten zur Lage der Nation
mit der Ankündigung eines
umfassenden Regierungsprogramms für die zweite
Amtszeit folgt nun die
haushaltspolitische Umsetzung und das Weiße
Haus muss sich darauf gefasst
machen, dass der Kongress trotz seiner Republikanischen
Mehrheit nicht
automatisch den Vorstellungen der Administration folgen
wird. Es wird harte
Kämpfe geben und ob sich Präsident Bush
in allen Fällen durchsetzen kann,
ist sehr die Frage. 2,57 Billionen Dollar soll der
Bundeshaushalt für das
Jahr 2005/06 umfassen und 427 Milliarden Dollar sind
als Defizit eingeplant.
Nicht einbezogen in die geplanten Regierungsausgaben
für das neue
Haushaltsjahr 2005/06 sind die Kosten für den
Irak-Krieg und Afghanistan.
Legt man den jetzigen laufenden Kostenaufwand zugrunde,
muss dafür im
nächsten Haushaltsjahr mindestens mit Kosten
in Höhe von 37 Milliarden
Dollar gerechnet werden, die zusätzlich finanziert
werden müssen. Der
jetzige Ansatz für das zu erwartende Defizit
im nächsten Haushaltsjahr in
Höhe von 427 Milliarden Dollar ist unrealistisch.
Die Verteidigungsausgaben sollen weiter erhöht
werden: um 4,8 Prozent, was
einer kumulativen Erhöhung der Verteidigungsausgaben
um 38,6 Prozent allein
während der letzten fünf Jahre entspricht.
Ebenso sollen die Ausgaben für
Homeland Security weiter steigen, um 7 Prozent im
nächsten Haushaltsjahr.
Aber auch das State Department wird mehr Mittel erhalten.
Insgesamt werden
für Diplomatie und Entwicklungshilfe mit insgesamt
38,4 Milliarden Dollar
15,7 Prozent mehr Mittel zur Verfügung stehen
als im letzten Jahr.
Kürzungen müssen Wohnungswesen und Stadtentwicklung
(11,5%), Landwirtschaft
(9,6%), Verkehr (6,7%) und Umwelt (5,6%) hinnehmen.
Insgesamt sollen 150
Programme gestrichen oder gekürzt werden, darunter
die Wirtschaftsförderung
auf lokaler Ebene mit 40 Prozent und die Subventionen
für Amtrak
(Schienenverkehr) sollen ganz entfallen. Die Bush-Administration
will
versuchen, auf diesem Wege insgesamt 20 Milliarden
Dollar einzusparen.
Harter Widerstand ist vor allem von amerikanischen
Farmern zu erwarten und
sie haben vor allem im Vorfeld der Kongresswahlen
2008 überdurchschnittlich
großen Einfluss.
Schon im vergangenen Haushaltsjahr standen 65 Ausgabenprogramme
mit
Einsparungen in Höhe von 5 Milliarden Dollar
auf der Streichliste.
Tatsächlich umgesetzt wurden von diesen Streichungsvorhaben
im Kongress nur
ganze 292 Millionen Dollar. Es ist nicht damit zu
rechnen, dass das 20
Milliarden Dollar-Einsparungsziel erreicht wird.
Zu erwarten ist auch, dass die geplante Reform von
Social Security zu
Konflikten innerhalb der eigenen Republikanischen
Reihen führen wird. Auf
konkrete Reformmaßnahmen bei Social Security
hat sich die
Bush-Administration bisher noch nicht festgelegt.
Das ist sicherlich für das
Weiße Haus von Vorteil, um eine frühzeitige
Verfestigung von Widerstand
gegen die geplante Reform zu vermeiden. Als Präsident
Clinton seine große
Gesundheitsreform vorschlug, scheiterte das Reformvorhaben
damals unter
anderem auch daran, dass sich in Anbetracht eines
sehr konkreten und
detaillierten Reformvorhabens den Widerstandskräften
zahlreiche
Angriffsmöglichkeiten boten. Präsident Bush
könnte es jedoch mit der Reform
von Social Security ähnlich wie Bill Clinton
ergehen, zumal der Reformbedarf
von Social Security in der amerikanischen Öffentlichkeit
sehr viel weniger
dringend empfunden wird, als der Präsident es
in seiner Rede zur Lage der
Nation darstellte.
Franklin D. Roosevelt hatte für seinen New Deal
eine Mehrheit in der
amerikanischen öffentlichen Meinung hinter sich.
Ebenso konnte Lyndon
Johnson für sein Programm der Great Society mit
einem massiven Ausbau des
Sozialstaats auf große Zustimmung in der Öffentlichkeit
stützen. Ein
ähnlicher Rückenwind für George W.
Bush ist im Falle von Social Security
nicht erkennbar. Im Gegenteil: der Reformdruck des
Weißen Hauses stößt auf
erhebliches Misstrauen und die vor allem von der American
Association of
Retired People (AARP) verbreitete Sorge vor einer
Zerstörung der Grundlagen
der amerikanischen Altersversicherung wird mehrheitlich
geteilt. Viele
Abgeordnete und auch die schon in zwei Jahren zur
Wiederwahl anstehenden
Senatoren (das Repräsentantenhaus zur Gänze
sowie ein Drittel des Senats
müssen 2008 neu gewählt werden) werden deshalb
zunehmend unter Druck
geraten, die geplante Reform nicht mit zutragen.
Als Sprecher der Demokraten zur Finanz- und Haushaltspolitik
erklärte
Senator Kent Conrad (D North Dakota), dass der
Haushaltsplan der
Bush-Administration in Wirklichkeit höhere Defizite,
höhere Schulden und
eine falsche Prioritätensetzung bedeutet. Der
Schuldendienst nimmt mit 211
Milliarden um 8,3 Prozent zu.
Auch diesmal steht zu erwarten, dass von den vom Weißen
Haus zur Streichung
vorgeschlagenen Programme viele im Kongress überleben
werden mit der Folge,
dass sich das amerikanische Haushaltsdefizit erheblich
vergrößern dürfte.
Präsident Bush hat nicht nur die Streichung von
bestehenden
Ausgabenprogrammen angekündigt, er hat in seiner
Rede zur Lage der Nation
auch neue eigene Ausgabenprogramme angekündigt:
* Verbesserungen im Schulwesen in Höhe von 1,5
Milliarden Dollar.
* Erhöhung der Zahl der Stipendien für Kinder
aus Familien mit geringem
Einkommen.
* Ausbau der beruflichen Bildung.
* Verbesserung der ärztlichen Versorgung auf
kommunaler Ebene.
Er steht vor einer schwierigen Situation. Alle seine
Ziele zu erreichen ist
so gut wie unmöglich. Zusätzliche Kriegskosten
und neue Ausgabenprogramme zu
finanzieren und gleichzeitig das Budget-Defizit bis
zum Jahre 2009 um die
Hälft zu reduzieren, das wird nicht gehen. Das
Jahr 2009 liegt aber jenseits
der Reichweite seiner Präsidentschaft und das
könnte der Rettungsanker für
ihn sein, nicht jedoch für seinen Nachfolger.
Zur Wirtschafts- und finanzpolitischen Lage Amerikas
siehe auch meinen
Jahresbericht: Politik als Mission. Die Agenda der
zweiten
Bush-Administration
Das Budget 2005/06 kann auf der Website des Weißen
Hauses abgerufen werden
unter:
http://www.whitehouse.gov/omb/budget/fy2006/budget.html