Verantwortlich: Dr. Dieter Dettke,
Redaktion: Stefanie Nesmith
A m e r i c a A l e r t
Informationsservice des Washingtoner Büros der FES
Ausgabe 13/2004 – 6. Juli 2004
Kerrys Wahl als Vizepräsident ist Edwards
Überraschend kam die Entscheidung von John Kerry für John Edwards als Vizepräsidentschaftskandidat und “running mate“ nicht. Unter den drei Kandidaten, die zuletzt auf der Liste (short list) standen – John Edwards, Richard Gephardt und Tom Vilsack, Gouverneur des Staates Iowa – war er die sicherste Wahl, um dem Wahlkampf von John Kerry neuen Schwung zu geben. Edwards ist eindeutig der dynamischere Wahlkämpfer und er bringt die notwendige geographische Balance in den Wahlkampf. Edwards kommt aus North Carolina und hat Rückhalt im politisch wichtigen Süden Amerikas, aber auch im Mittleren Westen, wo in diesem Jahr der Wahlausgang entschieden wird: in Ohio, Missouri, Michigan, Illinois und Pennsylvania. Edwards ist vor allem für die Demokratische Parteibasis eine hervorragende Wahl. Populär, bisweilen auch populistisch und Optimismus ausstrahlend, ist Edwards auch im Persönlichkeitsbild des Wahlkampfteams eine gute Ergänzung für den seriösen, älteren Staatsmann John Kerry.
Edwards kommt aus kleinen Verhältnissen aus dem ländlichen South Carolina – sein Vater war Textilarbeiter – und brachte es als Strafverteidiger zum Multimillionär. Diese amerikanische Erfolgsstory wird Kerry helfen, im ländlichen Amerika Punkte zu machen. Edwards spricht die Sprache der kleinen Leute und hat während der Vorwahlen häufig von den zwei Amerikas gesprochen, ein Thema das nun sicher auch in das Zentrum des Kerry-Wahlkampfs rücken wird. Beide, Kerry und Edwards, werden nun häufig gemeinsam auftreten und zu sehen sein. Die Sorge, dass die Starqualität von Edwards und seine beachtlichen rhetorischen Fähigkeiten John Kerrys Wahlkampf überschatten könnten, ist unberechtigt. Jeder weiß, dass John Edwards auch eigene Ambitionen auf das Präsidentenamt hatte. Was die Wähler von einem Vizepräsidentschaftskandidaten vor allem erwarten, ist die Fähigkeit, das Präsidentenamt im Ernstfall übernehmen zu können.
Viel politische Erfahrung auf nationaler Ebene hat John Edwards als “one term Senator“ aus North Carolina nicht. Die Kerry Campaign wird aber die aktive Rolle von Senator Edwards im Senatsausschuss für die Geheimdienste und sein Engagement für Homeland Security im Gesetzgebungsprozess hervorheben, um der amerikanischen Öffentlichkeit das Gefühl zu geben, dass Edwards eine Wahl für ein sicheres Amerika ist. Edwards steht aber – im Gegensatz zu Vizepräsident Cheney – für einen Wahlkampf der Fairness im Ton und in der Sache, vor allem in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Health Care und Education werden neben der nationalen Sicherheit im Mittelpunkt des Wahlkampfes von John Kerry und John Edwards stehen.
Die Entscheidung von John Kerry für John Edwards wird die Umfragedaten für die Wahlaussichten der Demokraten bei den Wahlen am 2. November in die Höhe treiben. Die kommende Auseinandersetzung ist eine enorme Herausforderung für die Bush-Administration und sie muss Wege finden, sich in einer Auseinandersetzung zu behaupten, in der die Demokraten jedenfalls zum Wahlkampfauftakt die besseren Karten haben.
Washington, 6. Juli 2004 (Dieter Dettke)
Dokumente:
Als Word-Attachement:
John Edwards, Bio
http://www.johnedwards2004.com/john_edwards.asp
Weitere Biographien über John Edwards finden Sie unter folgenden Links:
http://www.vote-smart.org/bio.php?can_id=CNC68243
http://www.johnedwards2004.com/media/edwards_bio.pdf
http://edwards.senate.gov/about.html