Verantwortlich: Dr. Dieter Dettke,
Redaktion: Ursula Soyez
A m e r i c a A l e r t
Informationsservice des Washingtoner Büros der FES
Ausgabe 9/2004 – 3. Mai 2004
Deutsch-Amerikanische Beziehungen vor dem Hintergrund der
Auseinandersetzung mit dem internationalen Terrorismus
Wir dokumentieren heute zwei Artikel aus The New York Times Magazine vom 2. Mai 2004: Richard Bernstein, “The German Question” und Michael Ignatieff, “Lesser Evils.”
Bernstein beschreibt in seiner Analyse die Emanzipation der Bundesrepublik von einem loyalen Bündnispartner während des Kalten Krieges zu einer auf Unabhängigkeit bedachten europäischen Macht. In dem Satz, den Außenminister Fischer auf der Wehrkunde-Konferenz 2003 Donald Rumsfeld entgegenhielt als dieser für den Irak-Krieg plädierte “I am not convinced,” sieht Bernstein eine Art Unabhängigkeitserklärung Deutschlands von den Vereinigten Staaten. Die Nicht-Atlantiker – so Bernstein im Anschluss an Jeff Gedmin - hätten sich gegenüber den Atlantikern durchgesetzt und dies sei letztlich der Preis, den die Vereinigten Staaten für einen der größten außenpolitischen Triumphe zu entrichten hätten: die Schaffung eines friedlichen, demokratischen und vereinigten Deutschlands. Bernstein betont aber – und hier liegt durchaus eine Brücke zu einer auch gemeinsamen atlantischen Zukunft – die Zentralität der Bundesrepublik für die westliche Allianz: “Deutschland ist das geographische, ökonomische und strategische Herz Europas und wird dies in noch stärkerem Maße sein, wenn die Europäische Union von jetzt 15 auf 25 Mitglieder erweitert nach gemeinsamen Positionen in der Außenpolitik und in der Verteidigung strebt.” Und in diesem Zusammenhang werden die deutsche-amerikanischen Beziehungen – wie schon zur Zeit des Kalten Krieges, als sie Frieden zu halten und Demokratie zu verbreiten geholfen haben - darüber entscheiden, ob die Atlantische Allianz sich als effizient und durchhaltefähig erweist, wenn es darum geht, den Westen vor der Bedrohung durch den Terrorismus zu schützen.
Michael Ignatieff ringt in seinem Artikel mit der Frage, wie in Zeiten der Bedrohung durch den Terrorismus Freiheitsrechte zu schützen und zur Not auch einzuschränken sind und plädiert dabei für einen Ansatz, dem “kleineren Übel” der Einschränkung von Freiheitsrechten den Vorrang zu geben sowohl gegenüber einer dogmatischen Ablehnung von Anpassungen als auch gegenüber einer Überreaktion aus Angst – mit dem möglichen Ergebnis, dass dann letztlich ein “nationaler Sicherheitsstaat” entsteht. Die schlimmste Folge – so Ignatieff - wäre, dass die Regierung noch nicht einmal dazu greifen müsste, einer verängstigten Bevölkerung die Tyrannei aufzuerlegen: “We would demand it for our own protection.”
Washington, 3. Mai 2004 (Dieter Dettke)
Dokumente:
Richard Bernstein, “The German Question,” The New York Times Magazine, Sunday, May 2, 2004
http://www.nytimes.com/2004/05/02/magazine/02GERMANY.html
Michael Ignatieff, “Lesser Evils,” The New York Times Magazine, Sunday, May 2, 2004
http://www.nytimes.com/2004/05/02/magazine/02TERROR.html