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Kommentar, 1. Februar 2012

Nach Florida: Wird Romney der Kandidat einer gespaltenen Partei?

Heiko Holste, Georgetown University

 

Mitt Romney hat die Vorwahlen in Florida überlegen gewonnen. Das mag eine Vorentscheidung sein, aber noch lange kein Ende des Vorwahlkampfes. Die republikanische Partei bleibt tief gespalten, keiner von Romneys Konkurrenten ist zur Aufgabe bereit und Newt Gingrich erinnert daran, dass in 46 Staaten die Vorwahlen noch ausstehen. Dass der republikanische Vorwahlkampf lang, teuer und kontrovers wird, kann Barack Obama und seinen Demokraten nur Recht sein. Die Kritik an Multi-Millionär Romney aus dessen eigener Partei macht es Obama leichter, nun die soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt des Wahlkampfes zu rücken.

 

Bei der Vorwahl in Florida am 31. Januar hat Mitt Romney mit 46% der Stimmen gewonnen. Newt Gingrich kam auf 32%, auf den Plätzen landeten Rick Santorum (13%) und Ron Paul (7%). Zehn Tage zuvor in South Carolina hatte Gingrich noch mit 40 zu 28% über Romney triumphiert und damit zum zweiten Mal in diesem Wahlkampf eine Renaissance erlebt.

Am Tag vor der Wahl in South Carolina hatte Mitt Romneys Wahlkampfteam eine E-Mail mit dem Betreff Inauguration Day verschickt. Genau ein Jahr vor der Amtseinführung des nächsten Präsidenten wähnte man sich Nominierung und Wahlsieg so nah, dass man sich schon mal mit der Vereidigung des künftigen Präsidenten auf den Stufen des Kapitols befasste. Dies hat sich als voreilig erwiesen. Newt Gingrich hat in South Carolina nicht nur einen fulminanten Wahlsieg errungen, sondern er hat auch eine Debatte über den Multi-Millionär Romney entfacht, die diesen trotz seines Erfolges in Florida dauerhaft belasten könnte.

 

15 % Steuern und der amerikanische Traum
 
Romney, dessen Vermögen auf eine Viertelmilliarde Dollar geschätzt wird, musste sich nicht nur für die Praktiken seines einstigen Hedge-Fonds rechtfertigen, sondern – von Gingrich bedrängt – auch seine Steuererklärung veröffentlichen. Dass er weniger als 15% Steuern zahlt und Teile seines Vermögens im Steuerparadies der Cayman-Inseln deponiert hat, gilt in den USA – anders als in Deutschland – zwar nicht als politische Todsünde, trotzdem hat ihn dies vielen konservativen Normalverdienern weiter entfremdet. Romney kontert zwar selbstbewusst, „Ich entschuldige mich nicht dafür, erfolgreich zu sein“, und er kann darauf zählen, dass viele Republikaner mit dem amerikanischen Traum auch den Erfolg verehren. Aber auch diese leiden unter der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit, und wie sehr er von deren Alltagssorgen entfernt ist, machte Romney bei der Offenlegung seiner Einnahmen deutlich: Die mehr als 300.000 Dollar, die er im vergangenen Jahr als Honorare für Reden eingenommen hat, nannte er „nicht viel“. Kein Wunder, dass Präsident Obama in seiner Rede zur Lage der Nation vom Kongress eine Steuerreform mit einer gerechteren Lastenverteilung angemahnt hat.
 
Mitt Romney hat in Florida gewonnen, aber er wird in weiten Teilen seiner eigenen Partei nicht geliebt. Zu seiner liberalen Vergangenheit, seinem hölzernen Auftreten und dem Vorwurf, ein Kandidat des Establishments zu sein (13 Senatoren und 59 Kongressabgeordnete unterstützen ihn), kommt nun noch seine finanzielle Abgehobenheit. Die konservative Basis und viele Tea-Party-Anhänger sehnen sich statt seiner nach einem wertkonservativen Rechten, der dem verhassten Establishment in Washington und der Wall Street, dem „big government“ und „big money“ den Kampf ansagt. Dass sie sich dabei mit Newt Gingrich einen dreimal Verheirateten, langjährigen Berufspolitiker und millionenstarken Lobbyisten auserkoren hat, ist zwar ein Treppenwitz, aber Gingrich ist ein brillanter Demagoge, der es versteht, die rhetorischen Bedürfnisse dieses Milieus zu befriedigen. In Florida erzielte er seine besten Ergebnisse bei sehr konservativen Republikanern und solchen mit geringem Einkommen.

 

Der Kampf zwischen Roboter und Zombie

Trotz Romneys Erfolg in Florida wird der Vorwahlkampf aus drei Gründen noch lange weitergehen. Erstens ist er nicht nur Schauplatz einer personellen, sondern vor allem einer ideologischen Konkurrenz. Romney, Gingrich und Ron Paul vertreten die moderate, konservative und libertäre Strömung in der Republikanischen Partei. Zweitens erhält bei den meisten Vor-wahlen, die bis zum 1. April stattfinden, nicht allein der Sieger Parteitagsdelegierte. Ein neues Proportionalsystem macht den Wahlkampf für alle Kandidaten lohnend. Drittens schließlich haben Newt Gingrich (68) und Ron Paul (76) nichts zu verlieren. Beide stehen am Ende ihrer Karriere, sie brauchen keine Rücksicht auf künftige Posten zu nehmen und haben auch keine Aussicht, in vier Jahren noch einmal anzutreten. Sie fechten ihren letzten Kampf und wollen es noch einmal wissen. Rick Santorum hingegen wird solange im Rennen bleiben wie Gingrich, weil er insgeheim auf dessen Straucheln hofft, um sich dann als konservative Romney-Alternative zu präsentieren. Nächster Höhepunkt wird der 6. März, der sogenannte „Super- Tuesday“, wenn gleich zehn Staaten ihre Vorwahlen abhalten. Die Konkurrenz könnte aber auch über den 1. April hinaus bis zum letzten Urnengang Ende Juni andauern. Schon jetzt beflügelt sie die Phantasie der Karikaturisten: Die Washington Post sieht Romney und Gingrich als Roboter und Zombie, die miteinander kämpfen, und kommentiert: „Sterben kann keiner von beiden“.

 

Warum 2012 anders ist als 2008

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Mitt Romney versucht derweil aus der Not eine Tugend zu machen. Er behauptet, der intensive Vorwahlkampf spalte nicht die Partei, sondern bereite sie auf den Kampf gegen Obama vor. Tatsächlich dauerte vor vier Jahren die Konkurrenz zwischen Obama und Hillary Clinton bis zum Sommer und half dem heutigen Präsidenten, anschließend die Wahl zu gewinnen. Der Wettbewerb bei den Demokraten war aber nicht Ausdruck einer ideologischen Spaltung, sondern von zwei positiven Alternativen: die erste weibliche Kandidatin oder der erste Afro-Amerikaner. Obama fiel es nicht schwer, nach der Entscheidung auch die Clinton-Anhänger für sich gewinnen. Wie es Romney auf lange Sicht gelingen soll, die Anhänger Gingrichs oder gar Ron Pauls für sich zu gewinnen, dürfte seinen Strategen einiges Kopfzerbrechen bereiten. Die verschicken jetzt übrigens wieder E-Mails, aber statt von der Amtseinführung zu träumen bitten sie um Wahlkampfspenden. Sie haben verstanden, dass ihr Wahlkampf lang und teuer wird.

 

Dr. Heiko Holste ist Jurist und Gastwissenschaftler an der Georgetown University in Washington. Bis 2009 verantworte er den Arbeitsbereich Reden und politische Kontakte im Leitungsstab des Bundesjustizministeriums.

 

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Kommentar, 11. Januar 2012

Nach New Hampshire: Romney auf Erfolgskurs, Konkurrenz zersplittert

Heiko Holste, Georgetown University

 

Mitt Romney hat die Vorwahlen in New Hampshire wie erwartet überlegen gewonnen. Trotzdem ist noch keine Vorentscheidung gefallen, denn die Konkurrenz bleibt stark, auch wenn sie personell zersplittert ist. Erst die nächste Vorwahl in South Carolina wird zeigen, ob noch ein konservativer Kandidat Romney die Nominierung streitig machen kann.

Bei der Vorwahl am 10. Januar siegte Mitt Romney mit 39 % der Stimmen. Ron Paul erreichte 23 % und Jon Huntsman kam auf 17 %. Es folgten Newt Gingrich und Rick Santorum (je 9 %). Rick Perry, der keinen Wahlkampf gemacht hatte, erzielte lediglich 1 %.

Mitt Romney ist der erste republikanische Präsidentschaftsbewerber, der nach dem Iowa-Caucus auch die Vorwahl in New Hampshire gewinnt. Was früher eine Vorentscheidung gewesen wäre, wiegt diesmal weniger schwer. New Hampshire war eine Art Heimspiel für Romney und der Sieg erwartet worden. Zudem bleibt die Opposition gegen ihn stark; seinen Stimmenanteil von vor vier Jahren, als er mit 31 % der Stimmen nur Zweiter hinter John McCain wurde, konnte er nur um einige Prozentpunkte steigern.

 

Konservative in New Hampshire ohne Chance

In New Hampshire, wo das Landesmotto „Lebe frei oder stirb!“ lautet, lassen sich die Menschen ungern vorschreiben, wie sie zu leben haben – weder vom Staat, noch von rechten Kulturkämpfern. Deshalb kam der erzkonservative Rick Santorum, der Empfängnisverhütung ablehnt und Homosexualität schon mal in die Nähe von Sodomie und Pädophilie rückt, nur auf einen 4. Platz. Stattdessen konnte der libertäre Ron Paul in dem Staat, in dem es bis heute keine Einkommenssteuer gibt, ein gutes Ergebnis einfahren. Er profitierte auch davon, dass in New Hampshire auch Unabhängige, also Wähler, die weder für Republikaner noch Demokraten registriert sind, an der Vorwahl teilgenommen haben.

Paul läuft mit seinen libertären Ansichten aber weiter „außer Konkurrenz“ zu den übrigen Kandidaten. Immer wieder wird er gefragt, ob er als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl antritt, wenn er – wie vorauszusehen – die Nominierung der Republikaner verfehlt. Dies ist aber unwahrscheinlich, ihm kommt es eher darauf an, beim republikanischen Parteitag mit einer starken Delegiertengruppe libertäre Positionen zu vertreten und seinem Sohn Rand Paul, einem frisch gewählten Senator aus Kentucky, das Feld zu bestellen.

 

Außenpolitiker Huntsman nur mit Achtungserfolg

In den TV-Debatten vor dem Urnengang spielte erstmals die Außenpolitik eine größere Rolle. Das lag auch an Jon Huntsman, der als früherer Botschafter in China und Singapur der einzige Kandidat mit außenpolitischer Erfahrung ist. Allerdings erwiesen sich abgesehen von ihm – und Ron Paul – alle Kandidaten mit einer martialischen Rhetorik als Scharfmacher in der Auseinandersetzung mit dem Iran und dessen möglicher atomarer Bedrohung von Israel. Im christlich-konservativen Lager gehört die Solidarität mit Israel zum Standardprogramm, aber auch Romney und Gingrich scheinen eher auf Militär statt auf Diplomatie zu setzen.

Huntsman dagegen zeigte sich diplomatischer und war – neben Paul – der einzige Kandidat, der sich für einen sofortigen Rückzug aus Afghanistan und Kürzungen im Verteidigungshaushalt aussprach. Seine Neigung, mit erhobenem Zeigefinger zu dozieren und über die Bedeutung Chinas gerne auch einmal in Mandarin zu parlieren, geben Huntsman aber eine Oberlehrer-Attitüde, die seine Chancen limitiert. In New Hampshire konnte er nicht viel mehr als einen Achtungserfolg verbuchen, im konservativen South Carolina dürfte er noch weniger Chancen haben. „Er hat aber genug Geld, um es zu verschwenden“, lästert man im Romney-Lager über den Spross einer Milliardärsfamilie aus Utah.

Iowa und New Hampshire haben ihre Funktion als Sieb des Kandidatenfeldes diesmal nicht erfüllt. Noch sind sechs der sieben Bewerber im Rennen, einzig Michele Bachmann hatte nach Iowa das Handtuch geworfen. Besonders wichtig wird daher die nächste Vorwahl in South Carolina am 21. Januar.

 

South Carolina wird schmutzig und vorentscheidend

In South Carolina muss sich zeigen, ob es einem der drei konservativen Kandidaten – Gingrich, Perry oder Santorum – gelingt, sich als Alternative zu Romney in Stellung zu bringen. Ihnen kommt zu Gute, dass der Palmen-Staat ein konservatives Pflaster ist, auf dem es Romney nicht leicht haben wird, zumal er mit Huntsman nun etwas Konkurrenz im eigenen Lager hat.

Der Wahlkampf in South Carolina gilt traditionell als schmutzig und vor allem Newt Gingrich scheint entschlossen, ihn ortstypisch führen zu wollen. Er will Rache nehmen für Romneys Negativ-Kampagne, die ihn in Iowa um einen Spitzenplatz gebracht hatte. Romney war einst Chef eines Beteiligungsunternehmens, vulgo: Heuschrecke, die zahlreiche Unternehmen ausgeschlachtet hatte. Gingrich zeigt daher im Wahlkampf einen Kurzfilm mit dem Titel „Als Mitt Romney in die Stadt kam…“, in dem Romney als profitorientierter und skrupelloser Jobkiller präsentiert wird. Ob solch ungewohnt klassenkämpferischen Töne im republikanischen Milieu ankommen, ist offen. Die Kampagne ist auch nur deshalb möglich, weil ein Casino-Mogul dem Super-PAC, der Gingrich nahesteht, kurzerhand 5 Millionen Dollar gespendet hat. Dies zeigt erneut die zweifelhafte Rolle, die diese nur formal unabhängigen Organisationen mit ihrer unreglementierten Finanzierung im Wahlkampf spielen können. 

Sollte Mitt Romney auch South Carolina überzeugend gewinnen, wäre dies eine Vorentscheidung; und zwar nicht nur, weil seit 1980 jeder Sieger in South Carolina am Ende auch die Nominierung seiner Partei errang. Nach South Carolina geht es am 31. Januar nach Florida, und dieser Staat ist groß und sein Markt für TV-Werbung teuer. Eine zersplitterte konservative Opposition hätte dort gegen Romneys gut geölte Wahlkampfmaschinerie kaum eine Chance; bei einem weiteren Sieg in Florida dürfte Romney die Nominierung sicher sein.

 

Dr. Heiko Holste ist Jurist und Gastwissenschaftler an der Georgetown University in Washington. Bis 2009 verantwortete er den Arbeitsbereich Reden und politische Kontakte im Leitungsstab des Bundesjustizministeriums.

 

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Kommentar, 5. Januar 2012

Der Weg zum Weißen Haus
Die Vorwahlen um die US-Präsidentschaft

Heiko Holste, Georgetown University

 

Zu Beginn der US-Vorwahlen zeigen sich die Republikaner in Iowa tief gespalten. Kandidaten von Moderaten, Christlich-/Sozialkonservativen und Libertären liegen fast gleichauf. Mitt Romney gewinnt in Iowa zwar knapp und bleibt Favorit für die Nominierung, aber die republikanische Parteibasis sucht weiter nach einer Alternative zu ihm. All dies könnte Barack Obama zu Gute kommen, aber er muss die Finanzkraft der republikanischen Super-PACs fürchten, denn die haben in Iowa ihre Macht gezeigt.

Bei den republikanischen Wählerversammlungen (Caucusse) in Iowa am 3. Januar erzielten Romney und Rick Santorum jeweils 25% der Stimmen, am Ende trennten beide lediglich acht Stimmen voneinander. Dritter wurde Ron Paul mit 21%, gefolgt von Newt Gingrich (13%). Abgeschlagen waren Rick Perry (10%) und Michele Bachmann (5%). Insgesamt beteiligten sich rund 20 % der mehr als 600.000 registrierten Republikaner des Staates.

 

Die drei Flügel der Republikaner

Das Ergebnis zeigt den starken Rechtsruck und die tiefe ideologische Spaltung der Republikaner. Mitt Romney, früher Chef einer Investmentfirma und Gouverneur in der demokratischen Hochburg Massachusetts, repräsentiert die moderaten Konservativen, denen vor allem Wirtschaftskompetenz wichtig ist und die auch für Wechselwähler akzeptabel sind. Wie schwach dieses Lager innerhalb der Republikaner geworden ist, zeigen die Ergebnisse der übrigen Kandidaten: Nicht nur Ex-Senator Rick Santorum (Wahlkampfmotto „Glaube, Familie, Freiheit“) ist ein erzkonservativer Kulturkämpfer, der besonders bei Tea-Party-Anhängern punkten konnte; zum gleichen politischen Milieu gehören auch Perry und Bachmann. Die dritte, libertäre Strömung verkörpert Ron Paul. Der 76jährige Kongressabgeordnete aus Texas propagiert eine isolationistische Außenpolitik und die Rückkehr zum Goldstandard. Die US-Verfassung will er allein im Geiste von 1787 auslegen und sein radikales Freiheitsverständnis lehnt Guantanamo ebenso ab wie Drogenverbote oder Beschränkungen des Waffenbesitzes. Angesichts dieser Konkurrenz – so schreibt die New York Times – haben die Wähler bei den Republikanern derzeit nur die Auswahl zwischen „rechts, sehr rechts oder sehr, sehr rechts“.

Die ideologische Zersplitterung der Republikaner macht Mitt Romney zum schwächsten Iowa-Sieger aller Zeiten; mit nur 25 % der Stimmen hat noch nie ein Kandidat den Caucus gewonnen. Romney erreichte sogar einen leicht geringeren Stimmenanteil als vor vier Jahren, als er nur Zweiter wurde. Er gilt dennoch als Favorit für die Nominierung, weil er das meiste Geld, die beste Wahlkampfmaschinerie und laut Umfragen die größten Chancen hat, Barack Obama zu schlagen. Trotzdem bleibt sein Zuspruch bei der eigenen Parteibasis begrenzt, denn er gilt als politischer Wendehals, der sich früher als Gouverneur liberal gab und in Massachusetts das aktuelle Lieblingshassobjekt der rechten Republikaner einführte: eine Krankenversicherungspflicht. 

 

Der letzte Non-Romney: Rick Santorum

Rick Santorum rangierte Anfang Dezember noch am Ende des Kandidatenfeldes. Sein überraschender Erfolg in Iowa liegt auch daran, dass er die letzte personelle Alternative zu Romney ist. Alle anderen Kandidaten – Bachman, Perry, der ausgeschiedene Herman Cain und zuletzt Newt Gingrich – waren bereits kurzeitig Favoriten, bevor sich bei näherem Hinsehen schnell ihre mangelnde Eignung ergab. Santorums Erfolg belebt zudem die Legende, dass in Iowa ein engagierter Straßenwahlkampf wichtiger sei als eine millionenteure Wahlkampagne. Monatelang tingelte er mit einem kleinen Truck über die Dörfer und schüttelte Hände, während Romney nur zu wenigen durch-choreographierten Events im Privatjet einflog. Auch biographisch verkörpert der Spross eines italienischen Einwanderers, der in den Kohlegruben von Pennsylvania schuftete, den american dream authentischer als Multi-Millionär Romney, dessen Vater schon Präsidentschaftskandidat war.

Iowa zeigt auch, welche fatale Rolle das Geld in diesem Wahlkampf spielen könnte. Während direkte Spenden an Kandidaten auf 2500 US-Dollar begrenzt sind, hat der Supreme Court 2011 entschieden, dass sogenannte „Super-PACs“ (Political Action Committee) von Privaten und Unternehmen Geld in unbegrenzter Höhe annehmen dürfen. Offiziell dürfen diese Gruppen ihre Aktionen zwar nicht mit den Wahlkampagnen der Kandidaten koordinieren, trotzdem war es keineswegs Zufall, dass ein von Romneys Vertrauten geführter Super-PAC eine millionenteure Negativkampagne gegen den Dezember-Favoriten Newt Gingrich inszenierte. Iowa ist deshalb auch die Mahnung an Barack Obama, seine eigene Wahlkampfkasse prall zu füllen.

Tragisch bleibt für die Republikaner der Erfolg von Ron Paul. Er führt der Partei zwar eine junge und enthusiastische Anhängerschaft zu und erreicht auch viele Unabhängige, aber seine eigene Nominierung gilt als ausgeschlossen und die libertäre Strömung ist nicht anschlussfähig an einen anderen Kandidaten. Gingen diese auf Pauls Ideologie ein, verschreckten sie ihre eigenen Wähler, behandeln sie ihn weiter als enfant terrible müssen sie damit rechnen, dass seine Anhänger am Ende für die Republikaner verloren gehen. Ernüchternd für die Republikaner muss auch die Wahlbeteiligung in Iowa sein. Sie lag geringfügig unter jener vor vier Jahren – politische Wechselstimmung signalisiert das nicht gerade.

 

Fortsetzung am 10. Januar in New Hampshire

Wie geht es nun weiter nach Iowa? Michele Bachmann hat nach ihrem enttäuschenden Ergebnis die Kandidatur aufgegeben. Beim nächsten Urnengang, am 10. Januar in New Hampshire, gilt ein klarer Sieg von Romney als ausgemacht. Trotzdem versuchen vor allem Newt Gingrich und Jon Huntsman, der in Iowa nicht antrat und all seine Anstrengungen auf New Hampshire konzentriert, Romney den Sieg streitig zu machen. Rick Santorum versucht derweil, seinen Iowa-Erfolg zu nutzen, Unterstützung zu sammeln und seinen Wahlkampfapparat auszubauen. Er muss vor allem am 21. Januar in South Carolina zeigen, ob er mehr ist als eine weitere politische Eintagsfliege. Dort versprechen sich allerdings auch Gingrich und Rick Perry gute Aussichten. Noch ist offen, ob es einen Kandidaten gibt, der das zersplitterte Lager der „Bloß nicht Romney“-Republikaner vereinen kann.

Sollte Romney in New Hampshire schwächeln und in South Carolina verlieren, könnte der republikanische Wahlkampf länger dauern als erwartet. Allerdings gibt es derzeit keinen Kandidaten außer Romney selbst, der dafür das nötige Geld und die Organisationskraft hätte.
 

Dr. Heiko Holste ist Jurist und Gastwissenschaftler an der Georgetown University in Washington. Er untersucht den amerikanischen Vorwahlkampf.

 

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Factsheet, 5. Januar 2012

Die Fakten zu den US-Vorwahlen

 

Download des PDFs hier

(Der Punk "Kandidaten" wird regelmäßig aktualisiert!)

 

Die Vorwahlen:
Bei den Vorwahlen werden Delegierte für den Nationalen Parteitag (national convention) gewählt, der im Sommer den republikanischen Präsidentschaftskandidaten nominiert. Faktisch nehmen die Vorwahlen und deren Ergebnisse die offizielle Nominierung bereits vorweg. Bei den Demokraten finden in vielen US-Bundesstaaten keine Vorwahlen statt, da Präsident Obama der einzige Kandidat ist.

 

Die Kandidaten:

Michele Bachmann (55), Abgeordnete aus Minnesota, Anwältin, christlich/sozial-konservativ. (Am 4.1. ausgeschieden!)
Newt Gingrich (68), Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses aus Georgia, Historiker/Publizist. 
Jon Huntsman (51), Ex-Gouverneur von Utah, Ex-Botschafter in China, Familienunternehmer.
Ron Paul (76), Kongressabgeordneter aus Texas, Gynäkologe, libertär.
Rick Perry (61), Gouverneur von Texas, Militär-Pilot / Landwirt, christlich/sozial-konservativ.
Mitt Romney (64), Ex-Gouverneur von Massachusetts, Fonds-Manager, fiskal-konservativ.
Rick Santorum (53), Ex-Senator aus Pennsylvania, Rechtsanwalt, christlich/sozial-konservativ.

 

Die Varianten:
Es gibt zwei Varianten der Delegiertenwahl: Primary und Caucus. Führt ein Staat eine Primary durch, werden alle Delegierten für den nationalen Parteitag am Wahlabend verteilt, und zwar bis 1. April proportional zur Stimmenzahl für die einzelnen Präsidentschaftsbewerber, bei Wahlen danach bekommt der Sieger alle Delegierten des Staates. In 17 Staaten findet die Delegiertenwahl stufenweise statt, wie bei deutschen Parteien. Unterste Stufe ist der Caucus, die Mitgliederversammlung im Wohnbezirk, bei der Delegierte zum Kreisparteitag gewählt und nur informell über die Präsidentschaftskandidaten abgestimmt wird. Das Caucus-Resultat ist lediglich ein politisches Stimmungsbarometer.  

  

Die Spielregeln:
In den meisten Bundesstaaten dürfen nur solche Wähler an Vorwahl oder Caucus teilnehmen, die für die jeweilige Partei registriert sind (geschlossene Vorwahl). In anderen Staaten dürfen auch Bürger mitstimmen, die für keine andere Partei registriert sind (halb-offene Vorwahl) und in manchen Staaten kann jedermann teilnehmen (offene Vorwahl).

 

Der Zeitplan:

3. Januar 2012

Iowa-Caucus (Auftakt der Vorwahlsaison)

10. / 21. / 30. Januar 2012

New Hampshire- / South Carolina- / Florida-Primary

6. März 2012

Vorwahlen in 11 Bundesstaaten („Super-Tuesday“)

März bis Juni 2012

Primaries / Caucusse in allen übrigen Bundesstaaten

27. – 30. August 2012

Republikanischer Nominierungsparteitag, Tampa/Florida

03. – 07. September 2012

Demokratischer Nominierungsparteitag, Charlotte/North Carolina

06. November 2012              

Präsidentschaftswahl