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Meike Wöhlert

Kommentar, Ottawa, March 25, 2008
Obama oder Clinton?
Wie die Kanadier den Wahlkampf in den USA verfolgen

Meike Wöhlert,
FES Canada Liaison

Wer in Kanada lebt, kann sich dem Präsidentschaftswahlkampf in den USA nicht entziehen. Egal, welche Nachrichtensendung gerade im Radio oder Fernsehen läuft, welche Zeitung man aufschlägt oder bei wem man sich zur Dinner-Party versammelt - Barack Obama und Hillary Clinton sind immer schon da. Das ist zum einen sicherlich dem Großmachtstatus des einzigen Nachbarn geschuldet. Zum anderen liegt es vielleicht an den Akteuren auf der politischen Bühne. Die einheimische Führungsriege gibt für Berichte und hitzige Diskussionen deutlich weniger her als das schillerndene Kontrahenten-Gestirn im Süden.

Privat und in den Medien beherrschen die demokratischen Anwärter das Bild. John McCain? Ach richtig, das war doch dieser ältere Mann, der den Irak-Krieg befürwortet. Damit stößt er in Kanada auf wenig Gegenliebe. Schließlich hat Kanada - wie Deutschland - den USA bei ihrem Feldzug 2003 die Gefolgschaft verweigert. Auch die Werte des mittlerweile ausgeschiedenen Mike Huckabee sind den meisten Kanadiern fremd. Es ist ein säkulares Land. Mit Ausnahme der Provinz Alberta herrscht nirgendwo eine religiös-konservative Mentalität. Selbst das überwiegend katholische Québec kennt keine religiösen Eiferer à la Americaine.

Weniger eindeutig lässt sich feststellen, wer von den beiden Top-Demokraten populärer ist. Hillary Clinton genießt großen Respekt für ihre gesundheitspolitischen Bemühungen; schließlich liegt den Kanadiern ihr öffentliches Gesundheitssystem besonders am Herzen. Clintons langjährige Erfahrung wird anerkannt, ihr weibliches Vorbild als positiver Schritt auf dem Weg zu echter Gleichberechtigung gesehen. Darüber hinaus war ihr Ehemann Bill als Präsident hierzulande sehr beliebt.

Barack Obamas schneller Aufstieg und sein "Change"-Programm stoßen auf Interesse, aber auch auf Skepsis. Zuviel Charisma kann bei dem gemeinen, eher pragmatischen Kanadier zu Misstrauen führen und zu der Frage, ob der Inhalt denn hält, was die Verpackung verspricht. Dass Obama keine weiße Hautfarbe hat, betrachten die meisten Kanadier allerdings mit Wohlwollen, als Zeichen für einen notwendigen gesellschaftlichen Wandel in USA. Eine Journalistin aus Ottawa glaubt jedoch nicht, dass der Rassenaspekt das Rennen zwischen den beiden Top-Demokraten entscheiden wird: "The Americans are still more sexist than they are racist."

Clinton hin, Obama her - noch wichtiger sind für Kanada sicherlich die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. 75 Prozent aller kanadischen Exporte gehen in die USA, die Importrate liegt bei 65 Prozent. Den Preis für diese Abhängigkeit zahlt gerade die Holzindustrie. Durch den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes werden seit Ende vergangenen Jahres dort deutlich weniger Häuser gebaut. Die gesunkene Nachfrage führte in Kanada sogleich zu Stilllegungen von Sägewerken und zu Entlassungen.

Die wiederholten Aussagen von Clinton und Obama zum Freihandelsabkommen NAFTA kamen hierzulande deshalb nicht gut an. Beide hatten verkündet, NAFTA neu verhandeln zu wollen, um die amerikanische Wirtschaft stärker vor unfairem Wettbewerb zu schützen. Daraus entwickelte sich Ende Februar sogar ein handfester Skandal. Ein hochrangiger Obama-Berater versicherte dem kanadischen Generalkonsul, es bestehe kein Grund zur Sorge. Obamas NAFTA-Statements seien reine Wahlkampftaktik und würden im Falle eines Wahlsiegs niemals umgesetzt. Ungeschickterweise sickerten diese Details in die Öffentlichkeit durch, und Obama hatte den wenig schmeichelhaften Stempel des Lügenbolds auf der Stirn.

Während sich die konservative Regierung um eine Begrenzung des Schadens bemühte, zelebrierte ihn die sozialdemokratische NDP mit Genuss: Umgehend setzte sie eine NAFTA-Nachverhandlung auf ihre eigene politische Agenda. Anfang März sagte der NDP-Vorsitzende Jack Layton, das Abkommen bräuchte dringend einen besseren Umwelt- und Arbeitnehmerschutz. Er würde sich dafür gerne gemeinsam mit Hillary Clinton oder Barack Obama engagieren.

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