
Kommentar, Washington D.C., 5.Mai, 2008
Ticket for two please
Wen würde Obama zum Vizepräsidenten machen?
Almut Wieland-Karimi,
Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington, D.C.
Ob und wann Hillary Clinton das Handtuch wirft ist zwar ungewiss, doch auf den Fluren der politischen Denkfabriken Washingtons werden langsam die Spekulationen lauter, wen Barack Obama zum Vizepräsidentschaftskandidaten nominieren würde. Im Kampf um das Weiße Haus ist bekanntlich jedes Mittel recht und so glaubt hier so mancher, dass Obama einen Republikaner auf den zweitwichtigsten Posten des Landes setzen könnte.
Aber geht das überhaupt? In den Vereinigten Staaten ist es nichts Ungewöhnliches, wenn ein Präsident für seine Politik über Parteigrenzen hinweg Mehrheiten sucht. Allerdings bezieht sich dies meist auf spezifische Gesetze und Vorhaben. Eine generelle Zusammenarbeit oder gar Koalition ist aber, im Gegensatz zum deutschen Regierungssystem, nicht notwendig. Demokratische und Republikanische Politik ist zwar mitunter fließend, doch besonders zwischen den Bundesstaaten gibt es erhebliche Unterschiede in der Politik der beiden Parteien. Ist es daher ratsam, den Vizepräsidenten beim politischen Gegner zu suchen?
Die Idee ist eigentlich nicht so abwegig, wie ein Beitrag der American Foreign Press verdeutlicht, wonach nun auch Clinton erwägt im Falle ihrer Wahl Republikaner in ihr Kabinett aufzunehmen. Wie ernst sind solche Flurgespräche?
Mit Obama werden immer wieder zwei Namen auf Republikanischer Seite in den Ring geworfen: Senator Richard G. Lugar aus Indiana und Senator Chuck Hagel aus Nebraska. Beide Republikaner standen bereits früher in politischem Kontakt mit Obama. Der Wille und Aufruf zur überparteilichen Zusammenarbeit zieht sich von Beginn an durch Obamas Wahlkampf. Überraschen würde ein solcher Schritt somit nur bedingt. Der Christian Science Monitor spricht ihm gar Adleraugen beim Erkennen und Erarbeiten gemeinsamer Positionen zu.
Obama hat immer wieder deutlich gemacht, dass er die verschiedenen Segmente der amerikanischen Gesellschaft zusammenbringen will. Insofern wäre die Wahl eines Republikanischen running mates nur konsequent. Überparteiliche Führung hat es auch schon einmal in der Geschichte der Vereinigten Staaten gegeben, wenn auch in den Wirren einer Jungen Nation: Thomas Jefferson (Vizepräsident und später 3. Präsident) und John Adams (2. Präsident) gehörten unterschiedlichen Parteien an.
An Spekulationen fehlt es der politischen Szene in Washington wahrlich nicht, doch ein solcher Vorstoß würde wohl selbst dem alten Europa einen gewissen Respekt abringen: Yes they can!





