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Kommentar, 27.5.2008
Hillary Clinton und die verpasste Chance

Erin Wroblewski,
former Program Officer,FES, DC
Philippe Ludwig,
Research Intern, FES, DC

Als Nancy Pelosi Anfang letzten Jahres zur Sprecherin des Repräsentantenhauses gewählt wurde, war dies ein großer Schritt für alle Frauen in der Politik, denn die politischen Toppositionen sind nach wie vor von der Männerwelt dominiert. Ausnahmen wie Condoleezza Rice oder Madeleine Albright bestätigen die Regel und ändern nichts an der Tatsache, dass gerade einmal ein Viertel der gewählten Positionen in den USA von Frauen besetzt werden. Im 110. Kongress liegt ihr Anteil mit 16 Senatorinnen und 74 Repräsentantinnen somit bei lediglich knapp 16 Prozent. Bei einem männlichen Bevölkerungsanteil von etwas unter 50 Prozent scheint dies nicht besonders repräsentativ.

Wenn auch der Anteil an Frauen in der Politik in den letzten Jahren stetig gestiegen ist, so ist de facto noch keine Parität der beiden Geschlechter in Sicht. Der politische Erfolg Pelosis und der anfangs viel bejubelte Entschluss Hillary Clintons für das höchste Amt im Staat zu kandidieren lassen dennoch darauf schließen, dass sich die Öffentlichkeit vor Frauen in staatlichen Toppositionen nicht verschließt.

Der Aufbruch der Frauen in die von Männern dominierte Domäne hat Geschichte. Bereits 1917, drei Jahre bevor Frauen überhaupt das Wahlrecht erhielten, saß bereits die erste Frau im us-amerikanischen Kongress. Viele Frauen übernahmen früher nach dem Tot ihrer Ehemänner deren politische Ämter. Laut New York Times seien 14 Frauen im Kongress Witwen von Repräsentanten gewesen. Hattie Wyatt Caraway (D-AR) übernahm z.B. 1931 das Amt ihres Mannes und wurde in den folgenden Wahlen zweimal in ihrem Amt bestätigt.

Unterstützung erfahren Frauen in der Politik von Institutionen wie der National Organization for Women oder Emily's List, die Spenden für Demokratische Kandidatinnen sammeln. Auch auf der Seite der Republikaner gibt es vergleichbare Organisationen, wie z.B. die National Organization of Republican Women. Dass die Rolle der Frau als Mutter dem politischen Erfolg nicht entgegensteht, zeigen die Beispiele Pelosi und Clinton. Nach Ansicht Clintons werde jedoch immer noch mit zweierlei Maß gemessen. Die diskriminierende Behandlung während der vergangenen Wahlkampfmonate von Seiten ihrer Kritiker und besonders der Medien habe ihr schwer zugesetzt, meinte Clinton hierzu in einem Interview mit der Washington Post.

Eine erfolgreiche Wahl Hillary Clintons zur ersten us-amerikanischen Präsidentin wäre wahrlich ein historischer Augenblick in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Zum ersten Mal wären somit die Spitzenpositionen der us-amerikanischen Exekutive und Legislative von Frauen geführt worden.

Obwohl es mittlerweile nicht mehr danach aussieht, dass Clinton das Rennen gegen ihren Mitstreiter im Demokratischen Nominierungswahlkampf gewinnen wird, so können wir dennoch Zeuge eines nicht minder historischen Ereignisses werden. Barack Obama hat gute Chancen die Wahlen im November zu gewinnen. Die Wahl eines Schwarzen zum US-Präsidenten wäre eine mindestens ebenso große Sensation und neuer Meilenstein in der modernen us-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Wie das Rennen im November auch ausgehen sollte: Hillary Clinton hat die Rolle der Frauen in der Politik und in anderen Bereichen nicht zuletzt durch ihren engagierten Wahlkampf nachhaltig gestärkt.

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