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Almut Wieland-Karimi

Kommentar, 7. August 2008
Mit Spannung erwartet: Die Vizepräsidentschaftskandidaten

Almut Wieland-Karimi,
Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington, D.C.

Spekulationen und Gerüchte kreisen zur Zeit um die Frage, wer wohl die jeweiligen running mates von Sen. Barack Obama und Sen. John McCain werden. Verschiedene Listen kursieren, verschiedene Namen werden gehandelt. Die Medien diskutieren intensiv, wer aus welchem Grund in Frage kommen könnte. Ein bisschen ist das Sommerloch, ein bisschen Kaffeesatz lesen.

Aufgrund des US-Wahlsystems, das den Präsidenten über Wahlmänner aus den 50 Bundesstaaten plus dem District of Columbia wählt, ist es aus strategischer Perspektive wichtig, jemand aus einem so genannten battlefield state auszusuchen. Nach dem winner takes all Prinzip bekommen der Kandidat und sein Vize alle Stimmen aus dem jeweiligen Bundesstaat. In diesem Jahr befinden sich die battlefields u. a. in Virginia, Florida und Indiana. So verwundert es nicht, dass bei Obama Gouverneur Tim Kaine aus Virginia und Sen. Evan Bayh aus Indiana in der engeren Wahl sind.

Hillary Clinton hingegen macht sich wohl keine Hoffnungen mehr. Vielleicht wäre sie ja eine gute Außenministerin? Ihre Unterstützer müssen sich jedoch auch mit dem/der Vize identifizieren können. Obama braucht Hillarys Stimmen dringend, um zu gewinnen: Wählergruppen wie Frauen über 40, weiße Arbeiter in den traditionellen Industrieregionen, Katholiken und Latinos könnten am 4. November eine entscheidende Rolle spielen.

Die Kampagnen jedoch haben es bisher geschafft, die Namen von Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten geheim zu halten - oder aber: die Personen stehen wirklich noch nicht fest. Die Obama Kampagne hat angekündigt, den Kandidaten in der Woche vor der Denver Convention, die vom 25. bis 28. August stattfindet, bekannt zu geben. Der/die Glückliche wird dann allem Anschein nach am Mittwochabend auf der Convention eine Rede halten.

Vermutlich wird McCain seinen Favoriten während oder nach dem Nominierungsparteitag der Demokraten bekannt geben. Dabei wird er versuchen, Obama ein wenig die Aufmerksamkeit der Medien zu stehlen. Auf seiner shortlist stehen u.a. der Gouverneur von Florida, Charlie Crist, und ein junger Wertkonservativer Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal.

Dass der Vizepräsident (VP) gar nicht so wichtig und sein Job vor allem sei zu Hochzeiten und Beerdigungen zu gehen, wie es Harry Truman einmal ausdrückte, hat der jetzige Amtsinhaber Dick Cheney widerlegt: Er ist der Hauptstrippenzieher und eigentliche Falke im Weißen Haus. Der VP wird nach der Verfassung Nachfolger des Präsidenten im Fall dessen Todes, Rücktritts oder Amtsenthebung. Zudem ist er Vorsitzender des Senats. Als zweiter Mann oder zweite Frau nimmt der/die Vize die zweithöchste Stellung im Land ein und die Performanz wird entscheiden, wie die Position ausgefüllt wird.

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