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Knut Panknin

Analyse, 31. Oktober 2008
Umfragen - Alles Voodoo oder was?
Warum John McCain die Wahl trotz steigender Umfragewerte nicht gewinnen wird

Knut Panknin,
Program Officer der Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington, DC

Das Wahlkampfteam von John McCain hat in der letzten Oktoberwoche einen Silberstreif am Horizont ausgemacht: steigende Umfragewerte. Diese tendierten, so Bill McInturff, Umfragechef des Republikaners, klar in die Richtung seines Kandidaten. Er ging so weit zu behaupten: "Alle Zeichen deuten darauf hin, dass wir auf dem Weg in eine Wahl sind, deren Ausgang am nächsten Dienstag noch unentschieden sein könnte." Too close to call, wie die US-Amerikaner sagen. Müssen sich die Demokraten nun Sorgen machen? Kurz gesagt: nein.

Zunächst aber zu den Zahlen, die McCain Kampagne so enthusiastisch machen. Gut eine Woche vor den Wahlen hatten sich die Werte landesweit sowie in 15 von 20 Bundesstaaten mit neuen Umfrageergebnissen zugunsten des Republikaners verändert. Landesweit lag Obama laut RealClearPolitics am 26. Oktober noch 7.6 Prozentpunkte vor McCain, am 31. Oktober waren es nur noch 5.9 Prozentpunkte. RealClearPolitics mittelt dabei die Umfragen verschiedener Institute und gibt deshalb einen Durchschnittswert. Bei Reuters/C-Span schmolz der Vorsprung von Obama zwischen dem 23. und 26. Oktober sogar von zehn auf fünf Prozentpunkte, liegt am 29. Oktober aber wieder bei sieben Prozentpunkten. Auf Einzelstaatenebene legte der Republikaner in Kansas laut SurveyUSA beispielsweise fünf Prozentpunkte zu, in Florida laut CNN/Time einen Punkt, ebenso in Missouri.

Die Hoffnungen der Republikaner, das Rennen doch noch für sich entscheiden zu können, sind aber dennoch unbegründet. Warum?

Umfrageergebnisse werden maßgeblich von der Art der Fragestellung beeinflusst. Und in der diesjährigen US-Präsidentschaftswahl haben die Umfragespezialisten mit vielen neuen Unbekannten zu kämpfen: Wie soll man mit der Zahl der vielen neuregistrierten Demokraten umgehen? Muss ihr Anteil an den Stichproben neu gewichtet werden oder arbeitet man mit den alten Zahlen? Wie sieht es mit den vielen potenziellen Erstwählern aus - werden sie tatsächlich zur Wahl gehen? Wen befragt man in klassischen Telefoninterviews eigentlich? Viele junge Menschen besitzen gar keinen Festanschluss mehr, sondern sind nur per Handy zu erreichen und fallen damit aus den klassischen Interviews heraus. Wie hoch wird die Wahlbeteiligung der Minderheiten, vor allem Afroamerikaner und Latinos, sein?

Insofern ist es wenig verwunderlich, dass unterschiedliche Institute zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Manche Analysten sprechen schon davon, dass man wahrscheinlich auch ebenso gut in eine Kristallkugel schauen oder einen Voodoo-Priester fragen könnte, wenn man wissen möchte, wie die Kandidaten in der Gunst der Wähler stehen. Hinzu kommt, dass selbst ähnliche Zahlen ganz unterschiedlich interpretiert werden können.

Die Umfragespezialisten der Demokraten von Greenberg Quinlan Rosner geben zu bedenken, dass sich die Unsicherheitsfaktoren der diesjährigen Wahl eher zugunsten des Demokraten auswirken werden: In den umkämpften Staaten haben die Afroamerikaner in Umfragen bisher nur zu 89 Prozent Obama unterstützt, während McCains Team sie schon zu 100 Prozent im Lager des Demokraten eingerechnet hat. Hier gibt es Spielraum für Obama. Ähnliches gilt für die Latinos, die mehrheitlich für den Demokraten stimmen werden. Greenberg sieht sie bei 56 Prozent zugunsten Obamas, sieht aber ein Potenzial von bis zu 70 Prozent.

Auswirkungen wird auch die Frühwahl vieler Wähler haben. In den battle ground states haben schon fast 20 Prozent ihre Stimme vor dem 4. November abgegeben. Von diesen stimmten bisher 64 Prozent für Obama und nur 29 Prozent für McCain. In North-Carolina haben zum Beispiel schon 1.8 Millionen gewählt - das sind die Hälfte aller Wähler aus dem Jahre 2004. Dort liegen die Demokraten fünf Prozentpunkte vorn.

Außerdem wird die Wahl in den Einzelstaaten und nicht auf Bundesebene entschieden. Obama führt in allen Staaten, die John Kerry 2004 gewonnen hat, und darüber hinaus in vielen, die vor vier Jahren für George W. Bush stimmten. Laut RealClearPolitics führt der Demokrat in den besonders umkämpften Staaten Nevada, New Mexico, Colorado, Iowa, Ohio und Virginia sogar jenseits der Fehlerquote. Selbst wenn er nur diese und keine anderen battle ground states gewinnen würde, hätte er bereits 311 Wahlmännerstimmen und damit 41 mehr, als für den Wahlsieg notwendig sind. Demnach besteht wenig Hoffnung für das Lager der Republikaner.

Alles Orakeln über Wahlergebnisse hat glücklicherweise in vier Tagen ein Ende. Joe Lenski, langjähriger Umfragespezialist von Edison Media Research, rechnet damit, dass die Nachrichtenstationen am 4. November gegen 20 oder 21 Uhr einen klaren Trend für den Ausgang der Präsidentschaftswahlen sehen werden. Selbstverständlich aber werden keine Ergebnisse vor dem Schließen der Wahllokale im jeweiligen Bundesstaat öffentlich gemacht.

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