
Kommentar, 4. November 2008
Dienstag, 4. November 2008
Die USA wählen einen neuen Präsidenten
Michael Czogalla,
Programmkoordinator, Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington, D.C.
Zum Kommentar: Dienstag, 4. November 2008
Endlich ist es soweit. Es ist der 4. November 2008, heute wird gewählt. Immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November, so ist es Gesetz. Alle vier Jahre wählen die US-Amerikaner ihren Präsidenten, der maximal zwei Amtszeiten im Weißen Haus residieren darf. Von ca. 200 Millionen Wahlberechtigten sind in diesem Jahr 169 Millionen registriert, doch wie viele am Ende wirklich wählen gehen ist ungewiss. Knapp 120 Millionen haben 2004 ihre Stimme abgegeben. In diesem Jahr könnten es wesentlich mehr sein.
Senator Barack Obama und Senator John McCain konnten sich von zahlreichen innerparteilichen Rivalen absetzen und als Spitzenkandidaten ins Feld ziehen. Nach den beiden Parteitagen im August ging es dann richtig los. Erst führte Obama in den Umfragen und viele sahen McCain schon als Verlierer. Doch der konnte mit der Nominierung Sarah Palins als Vizepräsidentschaftskandidatin im September noch einmal aufholen und zum finalen Sprint ansetzen. Die Gouverneurin aus Alaska konnte jedoch nicht halten, was von ihr erwartet wurde. Umfragen sehen Obama seit Wochen wieder vorn.
Hart gehen die Kandidaten auf der Zielgeraden miteinander ins Gericht. In den USA ist es leidige Tradition, sich gegenseitig mies zu machen. So malt die McCain-Kampagne Obama fast karikaturistisch schwarz. Als Muslim wurde er schon früh bezeichnet. Dann ist er angeblich unter Terroristen aufgewachsen und zuletzt wurde er von McCain als Sozialist und völlig unerfahren für das Amt des Präsidenten bezeichnet. McCains und Palins Auftritte sind eigentlich nur noch Versuche Obama zu diskreditieren. Aber was soll McCain dem strahlenden Licht der Obama-Kampagne auch noch entgegensetzen? Palins aggressiver und McCains belächelnder Ton heizen Menschen ohne Frage auf, doch mitreißend oder zukunftsweisend ist das nicht.
McCains Wahlkampfbüros sind oft früh geschlossen oder deprimierend leer. Weil kaum ein Freiwilliger von Tür zu Tür geht und noch weniger für McCain telefonieren und Wähler mobilisieren, ist die McCain-Kampagne dazu übergegangen, in vielen Bundesstaaten "Robotcalls" einzusetzen, die registrierte Wähler automatisch per Computer anrufen. Dabei wiederholen sie die Vorwürfe gegen Obama.
Obamas Anhänger, die seit Wochen im ganzen Land zu Hunderttausenden bis spät in die Nacht aktiv sind, lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Obama ließ sich in seinen Auftritten nicht auf so ein diskreditierendes Niveau herab und blieb dabei, sein Programm vorzustellen, von Hoffnung zu sprechen und die Aussicht auf Veränderung ("Change") hervorzuheben.
50 US-Bundesstaaten (und der District of Coumbia, DC) gibt es, doch nur 20 gelten am Ende eines langen Marathon-Wahlkampfs noch als schwer zu gewinnen oder umkämpft. Die (siehe pdf) Tabelle zeigt alle Bundesstaaten, die laut der letzten Umfragen in diese Kategorien fallen. Wer in den gelben Bundesstaaten, den schwer umkämpften so genannten tossup Staaten, die Nase vorn hat, wird am Ende als Sieger aus diesem bis zuletzt spannenden Wahlkamf hervorgehen.





