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Almut Wieland-Karimi

Kommentar, 5. November 2008
Obama schreibt Geschichte
Großer Sieg für die Demokratie und die Demokraten

Almut Wieland-Karimi,
Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington, D.C.

Der erste Afro-Amerikaner wird im Januar 2009 mit seiner Familie ins Weiße Haus einziehen. Endlich. Damit, so schreibt Tom Friedman in der New York Times vom 5.11., sei der 1861 begonnene Bürgerkrieg beendet. Dies ist ein großer Sieg für die Bürgerrechtsbewegung und die Gleichstellung von ethnischen Minderheiten in den USA.

Es ist auch ein großer Sieg für die Demokratie. 130 Millionen Menschen oder 66 Prozent der Wahlberechtigten haben gewählt, dies ist die größte Wahlbeteiligung in den vergangenen 100 Jahren. Viele junge, aber auch einige ältere Menschen und viele Afro-Amerikaner sind das erste Mal in ihrem Leben zur Wahl gegangen. Und alle, die man traf, waren stolz auf den "I voted" Anstecker, den sie gestern erhielten. Obama schlug bei seiner Siegesrede in Chicago den Bogen zur US-amerikanischen Verfassung: Wer auch immer am Amerikanischen Traum und den Idealen der Gründerväter gezweifelt habe, bekomme diesen Abend als Antwort.

Vor allem drei Aspekte haben zum deutlichen Sieg Obamas geführt:

Erstens: Seine eigene Entschlossenheit und sein Charisma sowie die an Strategie und Technologie bisher einmalige Wahlkampagne mit 600 Millionen US-Dollar an Spenden und über einer Million freiwilliger Helfer.

Zweitens: Die Unzufriedenheit der US-Bürger mit der Bush-Administration, die zwei Kriege in Irak und Afghanistan, keine Antworten auf den Klimawandel, ein immenses Haushaltsdefizit und eine nie da gewesene Ablehnung der US-amerikanischen Politik weltweit hinterlässt. Seit Franklin D. Roosevelt im Jahr 1933 Präsident wurde, hat kein Präsident mehr eine so schwerwiegende und lange Liste an Herausforderungen von seinem Vorgänger übernommen. Vielleicht führen aber besondere Herausforderungen auch zu herausragenden Leistungen?

Drittens: Ein Finanzdesaster von noch immer unbekanntem Ausmaß. John McCain scheint die Auswirkungen unterschätzt zu haben, als er nach den ersten vergleichsweise harmlosen Meldungen verkündete, die Fundamente der US-amerikanischen Wirtschaft seien stark. Traditionell wird den Demokraten mehr Wirtschaftskompetenz zugetraut und diese ist auch dringend nötig. Die Menschen wollen, dass die Finanzmärkte besser reguliert werden und dass ein starker Staat dabei eine Rolle spielt. Dies hat auch zu einem großen Sieg für die Demokratische Partei im Kongress geführt, die in beiden Häusern eine große Mehrheit haben wird.

McCain zeigt sich als fairer Verlierer und beweist Größe. Auch er sieht den historischen Tag für die USA, an dem der erste Afroamerikaner zum Präsidenten gewählt wurde. Man fragt sich, warum der Gegenkandidat zwischenzeitlich im Wahlkampf so kleinkariert-agressive Phasen hatte, die seiner sonstigen Souveränität nicht entsprachen. Zur Ehrenrettung McCains sei gesagt, dass diese wahrscheinlich auf das Konto von Karl Rove und Steve Schmidt, seinen Beratern, gehen. Präsident Bush hingegen klang in seinen Glückwünschen für Obama fast wie ein Parteigenosse: Obamas Sieg sei ein "triumph of the American Story!"

Die Aufbruchsstimmung im Demokratischen Lager ist kaum zu beschreiben. Viele Menschen weinten gestern bei Obamas Siegesrede am Wahlabend. Überall im Land gab es organisierte und spontane Siegesfeiern und Hupkonzerte, Tausende waren die Nacht lang unterwegs. Christoph Matschie, der den Showdown des Wahlkampfes live vor Ort miterlebte, verglich die Begeisterung und Partizipation der Menschen mit den Ereignissen im November 1989. Obama selbst setzte seinen Wahlsieg in eine Reihe mit der Mondlandung und dem Fall der Berliner Mauer.

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