Biden ist Joe und Joe wird Präsident

Knuts Logbuch aus Washington | Warum hat Joe Biden sehr gute Chancen, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen? Er ist der richtige Mann für den historischen Moment. Drei gute Gründe will ich kurz benennen.

Grund 1: Versiert, beliebt und nah an den Menschen

Am 7. November 1972 wurde Joe Biden als Endzwanziger für den Ostküstenstaat Delaware in den Senat gewählt. Die Arbeit im Senat prägte sein Leben und er wurde mehrfach wiedergewählt. Er war Vorsitzender im Justizausschuss und sehr lange Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. 2008 wurde er Obamas Running Mate und diente dem Land acht Jahre lang als Vizepräsident – was für eine politische Erfahrung! Biden ist Joe: mit seinen Stärken im ganzen Land bekannt und trotz seiner Schwächen beliebt. Joe genießt das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten. Er zählt zu den beliebteren Politikern des Landes. Er ist für sehr viele wählbar – ein Grund, weshalb er den Vorwahlkampf gewinnen konnte.

Joe Biden ist ein Pragmatiker und löst keine Begeisterungswelle bei linken Aktivisten aus. Er hat seine Einstellungen in wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen über die Jahrzehnte geändert und er ist in den vergangenen vier Jahr mit der gesamten Demokratischen Partei progressiver, ja linker geworden, da sich die Gesellschaft gewandelt hat und nach mehr Gerechtigkeit verlangt. 

Ein besonnener und erfahrener Präsidentschaftskandidat wie Biden ist ein Lichtblick am Ende des Tunnels – angesichts von mehr als 130.000 toten Amerikanerinnen und Amerikanern, über 17 Millionen Arbeitslosen als Folge der Pandemie und dem katastrophalen Versagen der US-Regierung ist. Warum ist das so?

Joe Biden verbreitet Vertrauen, wo Trump mit Angst zu gewinnen versucht. Joe Biden spendet Trost, ja er ist der Tröster der Nation, wo Trump Missgunst verbreitet und kein freundliches Wort für die Geschundenen des Landes findet. Und Joe Biden führt die Gesellschaft zusammen, wo Trump versucht sie zu spalten. Kurz und gut: Joe Biden ist für die Mehrheit extrem wählbar
 

Grund 2: Geeinte Demokraten und breite Unterstützung auch bei Unabhängigen (Parteilosen) und Konservativen

Joe Biden ist es gelungen, die Vorwahlen der Demokraten klar und frühzeitig zu gewinnen und das, obwohl es ein breites und diverses Feld an Kandidatinnen und Kandidaten gab. Schnell konnte er dann auch die Unterstützung der anderen Bewerberinnen und Bewerber gewinnen. Seine einladende und versöhnliche Art kam ihm dabei sehr zu Gute. Er versteht sich gut mit Bernie Sanders und hat ihn an seiner Seite im Wahlkampf gegen Trump. Gleiches gilt für Elizabeth Warren. Damit stehen die Demokraten geschlossen hinter Biden. Selbst Vorwähler, deren erste Wahl Sanders oder Warren waren, sprechen sich heute zu 87 Prozent bzw. 96 Prozent für ihn aus.

Präsident Trump dagegen ist politisch stark unter Druck und muss in den nächsten fünf Monaten viel Boden gutmachen, wenn er eine weitere Amtszeit gewinnen will.

Fünf Krisen beherrschen das Zeitgeschehen und keine einzige davon hat der amtierende Präsident in der Hand: Gesundheit, Gerechtigkeit, Wirtschaft, Rechtsstaat und Klima. Das betrifft auch uns in Europa und das transatlantische Verhältnis.

Biden präsentiert sich angesichts dieser Lage als der bessere Kandidat, der Probleme lösen will und dem es nicht um sich selbst geht. So gelingt es Biden, viele Wählerinnen und Wähler anzusprechen, auch Unabhängige und Republikaner, die Trump als Zumutung empfinden. Das Ziel ist eine breite Unterstützung und ein ganz klarer Wahlsieg, damit keine Zweifel entstehen.

Und Bidens Rechnung geht momentan auf: Viele der wichtigen Swing-Staaten, die Trump 2016 gewonnen hat, würden heute mehrheitlich an Biden gehen. In Michigan liegt Biden im Schnitt +7.5 Punkte vorne; mehr als 6 Punkte sind es in Wisconsin und Pennsylvania. Selbst in Arizona und Florida genießt der Demokrat einen leichten Vorsprung. Wir sollten dabei Folgendes nicht vergessen: 2016 gewann Trump hauchdünn mit insgesamt 77.744 Stimmen, verteilt auf drei Bundesstaaten (Michigan, Wisconsin und Pennsylvania), und das bei einer gesamten abgegebenen Stimmenanzahl von 120 Millionen!

 

Grund 3: Wahlkampf geht so: In der Ruhe liegt die Kraft —Strategische Geduld, Deich in der Brandung und keine Fehler 

Biden setzt auf seine Stärken und führt einen ruhigen Wahlkampf als Anti-Trump. Wie ein Deich lässt er die Angriffe von Trump einfach ablaufen und geht nicht auf Provokationen ein. Nichts verfängt.

Er setzt auf Verantwortung in der Krise, die sich an den Fakten und Experten orientiert.

Er verzichtet auf Massenveranstaltungen und Straßenwahlkampf. Und dennoch zeigt er sich ohne Mühe als bessere Alternative, zeigt Empathie und ja, es scheint simpel: Er trägt eine Maske!

Trump sieht in der Krise schlecht aus und die Wahl wird zur Abstimmung über seine Person. Selbst ältere und unabhängige Wähler_innen wenden sich zunehmend von Trump ab: Laut einer FOX NEWS Umfrage vom Mai liegt Biden bei über 65-jährigen mit +17 Punkten vorn. Bei den Unabhängigen sind es in der gleichen Umfrage +13 Punkte. Zum Vergleich: 2016 gewann Trump die Unabhängigen mit +4 und die Senioren mit +7 Punkten. Die Gründe dafür liegen vor allem in Trumps Umgang mit der Pandemie, in den ständigen Beleidigungen Bidens wegen seines Alters und in seinen beharrlichen Bemühungen, Medicare - also die Gesundheitsversorgung der Senioren - zu untergraben. Im Gegensatz zu Hillary Clinton sehen nämlich ältere Wähler_innen Biden als einen von ihnen.

Bidens Team hat ganz klar aus dem Scheitern der Clinton-Kampagne gelernt.

  • So ist Bidens Kampagne digital fitter.
  • Biden baut echte Brücken zu den afroamerikanischen, lateinamerikanischen und progressiven Gesellschaftsteilen, die sich vor vier Jahren vernachlässigt fühlten.
  • Biden wird sich auf die wirtschaftlichen und politischen Scherbenhaufen konzentrieren, die er im Januar 2021 erben wird. Und die sind schlimmer noch als die Finanzkrise, die Barack Obama von George Bush erbte.
  • Ein weiter so oder zurück zu Obama Zeiten wird es mit Biden nicht geben.
  • Biden wird sich u.a. auf die Mobilisierung von ländlichen Regionen und Vorstädten in den Bundesstaaten des Mittleren Westens bis Florida konzentrieren.
  • Biden wird sicherstellen, dass die afroamerikanische, lateinamerikanische und asiatische Wahlbeteiligung sowohl in den Südstaaten als auch in den Regionen der krisengeschüttelten Schwerindustrie hoch sein wird.
  • Dazu wird er Vorstadtwähler_innen (vor allem Frauen) gewinnen, die 2012 noch für Mitt Romney gestimmt haben, aber von Trump enttäuscht sind.

Es sieht gut aus für Joe Biden und vielleicht wird er sogar der Brückenkandidat für eine jüngere Generation.

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