Im Schatten der Mauer

Die Auswirkungen des US-amerikanischen Ausbaus von

Grenzschutz und verstärkter Zuwanderungskontrolle

Publikation herunterladen

Obwohl die Grenze zwischen den USA und Mexiko gegenwärtig stärker militärisch bewacht ist als je zuvor, wurde die politische Debatte um irreguläre Zuwanderung im US-Präsidentschaftswahl-kampf 2016 mit großer Vehemenz geführt. Während der vergangenen zehn Jahre ist die Zahl der unerlaubten Übertritte an der amerikanisch-mexikanischen Grenze zurückgegangen; die unerlaubt im Land lebende Bevölkerung hingegen ist gewachsen. Die USA haben den Fokus zunehmend auf die Durchsetzung des Einwanderungsrechts innerhalb ihrer Grenzen gelegt und gleichzeitig eine starke militärische Überwachung der südwestlichen Grenze aufrechterhalten.1 Die Grundlage dafür stellt der Immigration Reform and Control Act (IRCA) von 1986 dar, die letzte umfassende Reform des Einwanderungsrechts, die vom US-Kongress erlassen wurde. 1992 wurde durch das Gesetz bereits der Einwanderungsstatus von fast drei Millionen Menschen bestimmt, von denen die Mehrheit aus Mexiko stammte.2 Gleichzeitig bildete der IRCA die Basis für eine bislang nicht gekannte Aufstockung der Mittel und des Personals der US Border Patrol, einer nationalen Behörde, die mit der Überwachung der Grenzen der USA betraut ist. Statt gegen die strukturellen Gründe irregulärer Zuwanderung vorzugehen, die tendenziell sozialer und ökonomischer Natur sind, haben sich die Vereinigten Staaten also für eine Strategie entschieden, die sich auf die Bewachung der Grenze zwischen den USA und Mexiko sowie auf die Kriminalisierung irregulärer Zuwanderung konzentriert. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Auswirkungen umrissen, die diese Strategie auf das Leben zahlreicher unerlaubter Einwanderer und ihrer Familien hatte. Auch wenn die Migration von Mexiko in die USA weltweit einmalig sein mag – schließlich teilen beide Länder eine über 3000 Kilometer lange Staatsgrenze, eine einzigartige sozio-historische Verbindung sowie eine vitale wirtschaftliche Partnerschaft –, könnte sie europäischen Staaten, die Zuwanderungsbewegungen erleben, Erkenntnisse liefern - besonders in Fällen, in denen der bevorzugte populäre Ansatz in verstärkter Zuwanderungskontrolle besteht oder in politischen Maßnahmen, die Immigrant_innen ausschließen sollen. 

Publikation herunterladen

Daniel E. Martínez ist Assistent Professor am Department of Sociology der George Washington University in Washington, DC in den USA. Zu seinen Forschungsinteressen zählen irreguläre Zuwanderung, die soziale und strafrechtliche Kriminalisierung von Zuwanderung sowie Kriminologie. Er ist einer von drei hauptverantwortlichen Forschern der Migrant Border Crossing Study, in deren Rahmen bislang über 1 500 irreguläre mexikanische Zuwanderer zu den Erfahrungen ihrer Grenzüberquerung, Festnahmen und Abschiebungen befragt wurden. 

 

Weitere relevante Publikationen im Themenportal

Washington, DC Office

1023 15th Street, NW
Washington, DC 20005

+1-202-408-5444
fesdc[at]fesdc.org

 

Ottawa Office

+1-202-408-5444
canada[at]fesdc.org

 

Public Events SIGN UP

Spotlights

Co-Determining the Future

Could the German system of corporate co-determination serve as a role model for the US?

 

 

Read more

Gewerkschaftsarbeit am Scheideweg

Arbeitsgrundlagen von US-Gewerkschaften de facto erheblich erschwert. Zur Supreme Court-Entscheidung Janus v. AFSCME

Read more

Latest Publications

JustJobs Network 2018 Signature Volume

People on the Move - Advancing the Discourse on Migration & Jobs

Read more

Strategy Debates of US-American Parties for the Midterm Elections 2018

How are political movements positioned? How do they react to changes in the society and with which topics do they position themselves where in the...

Read more

Codetermining the Future of Work: Lessons from Germany

By Thomas A. Kochan, Wilma B. Liebman, and Inez von Weitershausen

Read more